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Bauwende im Fundament: Schaumglasplatten statt Stahlbeton

Eine betonfreie Gebäudegründung aus recyceltem Altglas im Reality-Check: Material, Ökobilanz, Statik und Baupraxis am Beispiel der GLAPOR Urban Mining Bodenplatte (UMB1) – nach den Maßstäben der EU-EmpCo-Richtlinie geprüft.

Schnellantworten

Woraus besteht eine Schaumglasplatte? Laut EPD zu 92 % aus Recyclingglas, 6,5 % Natriumsilikat, 1 % Glycerin und geringen Mengen Kaolin.

Wie tragfähig ist eine Schaumglas-Gründung? Laut Herstellerangabe bis zu 68 Tonnen pro Quadratmeter, je nach gewählter Plattenklasse.

Wie wird die Gründung verlegt? Zweilagig, lose im Splittbett, ohne Kleber oder Beton, getrennt durch ein mechanisch trennendes Vlies.

Wie steht es um den CO2-Fußabdruck? Laut EPD 97,3 kg CO2-Äquivalent pro m³ (Module A1–A3, Rohdichte 120 kg/m³).

Ist Schaumglas brennbar? Nein, laut Datenblatt in die höchste Euroklasse A1 (nicht brennbar) eingestuft.

Ist die Gründung rückbaubar? Durch die kleberfreie, lose Verlegung ist sie rückbau- und wiederverwendungsorientiert planbar.

Material & Zusammensetzung: Was steckt wirklich im Schaumglas?

Für eine transparente, EmpCo-konforme Kommunikation lohnt sich eine Präzisierung: Der eingesetzte Glasrohstoff selbst stammt laut Herstellerangabe zu 100 % aus Recyclingquellen (Altglas aus dem Urban Mining). Das fertige Endprodukt – die GLAPOR Schaumglasplatte – setzt sich laut der offiziellen Umweltproduktdeklaration (EPD) aus folgenden Bestandteilen zusammen: 92 % Recyclingglas, 6,5 % Natriumsilikat (Wasserglas), 1 % Glycerin sowie geringe Mengen Kaolin.

Dieses Gemisch wird fein gemahlen und im Ofen aufgeschäumt. Das Ergebnis ist laut Datenblatt ein rein mineralischer, kunststofffreier Dämmstoff mit geschlossenzelliger Struktur. Dadurch ist das Material laut Herstellerangabe wasser- und dampfdicht (weder Diffusion noch kapillares Aufsaugen), in die höchste Euroklasse A1 für unbrennbares Brandverhalten eingestuft und dünstet keine Gase aus.

Der ökologische Fußabdruck: Ökobilanz statt pauschaler Slogans

Pauschale Aussagen wie „100 % ökologisch“ oder „klimaneutral“ sind unter der EU-EmpCo-Richtlinie unzulässig. Umweltaussagen müssen auf belastbaren Lebenszyklusdaten basieren.

Der oft zitierte Vergleichswert laut Herstellervergleich von „bis zu 95 % CO2-Ersparnis“ bezieht sich auf den direkten Vergleich einer kompletten Gründungsplatte gegenüber Stahlbeton mit XPS-Dämmung.

Laut Ökobilanz (EPD-GLP-20230179-CBA2-EN) liegt das Treibhauspotenzial (GWP-total, Module A1–A3) bei 97,3 kg CO2-Äquivalent pro m³, bezogen auf 120 kg/m³ Rohdichte.

Das zirkuläre Prinzip: Rückbau durch lose Verlegung

Ein Baustoff ist nur dann rückbau- und wiederverwendungsorientiert, wenn er am Ende der Nutzungsdauer sortenrein demontiert werden kann. Viele Dämmstoffe werden verklebt oder einbetoniert, was sie am Lebensende zu Sondermüll macht.

Das GLAPOR UMB1-System setzt laut Herstellerangabe auf ein kleberfreies Prinzip:

  1. Die erste Lage wird lose im Splittbett verlegt.
  2. Darüber wird ein mechanisch trennendes Vlies ausgerollt.
  3. Die zweite Lage wird im Lagenversatz lose darüber verlegt.

Weil bei dieser Gründung auf Kleber, Bitumen oder Beton verzichtet wird, ist das System laut Herstellerangabe rückbau- und wiederverwendungsorientiert planbar. Im End-of-Life-Szenario der EPD können die Platten mechanisch zu Schaumglasschotter zerkleinert und erneut als lasttragende Dämmung eingesetzt werden.

Tragfähigkeit & Statik: Hält ein Glasfundament ein Haus?

Laut Herstellerangabe trägt das System flächig bis zu 68 Tonnen pro Quadratmeter – sofern die passende Plattenklasse gewählt wird. Je nach statischer Anforderung stehen verschiedene, im technischen Datenblatt definierte Produktklassen zur Verfügung:

  • PG 600.3 / PG 600.5: Druckfestigkeit 600 kPa, Wärmeleitfähigkeit 0,054 bzw. 0,049 W/(m·K), Rohdichte 120–130 kg/m³.
  • PG 900.3: für erhöhte Lastabtragung, Druckfestigkeit 900 kPa, Wärmeleitfähigkeit 0,054 W/(m·K), Rohdichte 130 kg/m³.
  • PG 1600: für extrem hohe Druckbelastungen, Druckfestigkeit 1.600 kPa, Wärmeleitfähigkeit 0,060 W/(m·K), Rohdichte 155 kg/m³.

Alle Werte laut GLAPOR Technischem Datenblatt.

Baupraxis: Schnelligkeit und einfache Verarbeitung

Da kein Beton gegossen wird, entfallen wochenlange Austrocknungs- und Wartezeiten. Nach Fertigstellung der Gründung kann der Hochbau (Holzständer-, Stroh- oder Lehmbauweise) direkt anschließen. Die Platten lassen sich laut Herstellerangabe mit einer handelsüblichen Handsäge zuschneiden und anpassen.

Referenzprojekte laut GLAPOR sind unter anderem das FamilyLab Bocholt und ein Strohballenhaus in Leipzig – Beispiele dafür, dass diese Gründungsart in der Baupraxis angekommen ist.

Fazit

Wer sich an die physikalischen Fakten hält und auf transparente EPD-Daten setzt, kommuniziert im Sinne der EU-EmpCo-Richtlinie rechtssicher – und überzeugt mit belegbaren statt pauschalen Argumenten.

Kurz & knapp

Ist Schaumglas genauso tragfähig wie Beton?

Bei passender Plattenklasse ja – laut Herstellerangabe bis zu 68 Tonnen pro Quadratmeter.

Ist die Gründung wirklich 100 % ökologisch?

Pauschale Aussagen dieser Art sind nach EmpCo unzulässig; belastbar ist der EPD-Wert von 97,3 kg CO2-Äquivalent pro m³.

Kann man die Platten später wiederverwenden?

Ja, durch die lose Verlegung ohne Kleber sind sie rückbau- und wiederverwendungsorientiert planbar.

Quellen: GLAPOR Technisches Datenblatt (PG 600.3/600.5/900.3/1600) · GLAPOR Environmental Product Declaration EPD-GLP-20230179-CBA2-EN (ISO 14025, EN 15804+A2) · ClimatePartner Green-Claims-Checkliste (EU-Richtlinie 2024/825) · GreenBuild360 GmbH Projektdokumentation

Diese Folge wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Technische Kennwerte sind Herstellerangaben und für Ihr konkretes Bauvorhaben projektbezogen zu prüfen.

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