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← Alle Folgen GreenBuild360 Podcast · Folge 2 · 25:51 Min

NiTO Holzstein – Bauen mit Vollholzbausteinen

Ein sachliches Fachgespräch über das mikromodulare NiTO-Vollholz-Bausteinsystem: Konstruktion, DIBt-Zulassung, Statik, Bauphysik, Brandschutz – und wo die Grenzen des Systems liegen.

In dieser Folge

  • Was „mikromodulares Bauen

Das Wichtigste aus dieser Folge

Was ist der NiTO Holzstein und wie unterscheidet er sich von Blockbau und CLT?

NiTO ist ein mikromodulares Vollholz-Wandbausystem aus standardisierten Bausteinen (40×40 cm und 20×40 cm, 15 cm Tiefe). Anders als bei Blockbau oder werkseitig verklebten CLT-Platten werden die Steine vor Ort rein mechanisch verbunden – ohne starre Großmodul-Raster, mit einfachem Transport und hoher geometrischer Flexibilität.

Wie hält das System ohne Leim zusammen, und was erlaubt die DIBt-Zulassung?

Die Steine verzahnen sich über ein 5 cm tiefes Nut-und-Feder-Profil im Läuferverband und werden mit leimfreien LignoLoc-Holznägeln fixiert. Die DIBt-Zulassung Z-9.1-909 (gültig bis 09.01.2028) erlaubt tragende Wände bis zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss, lichte Wandhöhe max. 3,0 m, Holz mindestens Festigkeitsklasse C24.

Welche U-Werte sind erreichbar, und was bedeutet „QNG-ready“?

In Kombination mit Holzfaserdämmung (z. B. GUTEX Thermowall-L) werden U-Werte von 0,14 bis 0,18 W/(m²K) erreicht – Passivhaus-Niveau ist darstellbar. „QNG-ready“ ist eine produktbezogene Einstufung (belegt durch das eco-Institut Köln), keine automatische Gebäudezertifizierung. Diese betrachtet stets das Gesamtgebäude und wird projektbezogen durch einen lizenzierten Auditor geprüft.

Wie verhält sich NiTO im Brandfall?

Das Karlsruher Institut für Technologie hat für das dreilagige System die Feuerwiderstandsklasse R30 rechnerisch nachgewiesen – die Wand behält im Brandfall mindestens 30 Minuten ihre tragende Funktion. Der finale Nachweis bleibt projektbezogen zu führen.

Welche Rolle übernimmt GreenBuild360, und wo liegen die Grenzen des Systems?

GreenBuild360 stellt NiTO nicht selbst her, sondern koordiniert als Integrator Architektur, Statik, TGA und Materialpass-Dokumentation für Rückbau- und Wiederverwendungsorientierung. Fünf Grenzen sind vor Projektstart offen anzusprechen: keine nachträglichen Wanddurchbrüche außer kleiner Kabeldurchführungen, Rückbaubarkeit erfordert konsequente Planung, Sonderwünsche außerhalb der Zulassung erfordern Einzelnachweise, Witterungsschutz während der Montage ist nötig, und die oft zitierten 160 €/m² beziehen sich nur auf das Steinmaterial in Eigenleistung – nicht auf ein schlüsselfertiges Haus.

Kurz & knapp

Kann man mit NiTO mehrgeschossige Häuser bauen?

Die DIBt-Zulassung erlaubt maximal zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss. Mehr erfordert eine Zustimmung im Einzelfall.

Ist ein NiTO-Haus automatisch QNG-zertifiziert?

Nein. „QNG-ready“ ist eine produktbezogene Einstufung. Die Gebäudezertifizierung wird stets projektbezogen geprüft.

Kann man nachträglich Löcher in eine NiTO-Wand bohren?

Nein, außer kleinen Kabeldurchführungen bis 50 mm. Elektro- und Sanitärplanung müssen vor dem Wandaufbau feststehen.

Für die Vertiefung

Das vollständige Fachgespräch zum Nachlesen

Sabine im Gespräch mit Dr. Thomas Wagner, Bauingenieur – im vollen Wortlaut mit allen technischen Details.

Das Gespräch im Wortlaut

Was unterscheidet den NiTO Holzstein von Blockbau und CLT-Massivholz?

Der Unterschied liegt im geometrischen Raster und der Konstruktionsphilosophie. Während klassische modulare Systeme auf große, vorgefertigte Wandtafeln setzen, arbeitet NiTO mikromodular: mit kleinteiligen, standardisierten Vollholzbausteinen in den Formaten 40×40 cm und 20×40 cm bei 15 cm Tiefe.

Das Systemset umfasst den NiTO Vollstein (40×40×15 cm, ca. 10 kg), den NiTO Halbstein (20×40×15 cm, ca. 5 kg), einen horizontalen Halbstein sowie ein Ausgleichselement, ergänzt durch Richtschwellen, Rähme und Pfosten. Je nach statischer Anforderung bestehen die Steine aus drei bis neun kreuzweise angeordneten Holzlagen, wodurch sich Wandbreiten von 150 bis 450 Millimetern realisieren lassen.

Wie hält das System ohne Leim oder Mörtel zusammen – und was erlaubt die DIBt-Zulassung?

Die Verbindung basiert auf geometrischem Formschluss und mechanischen Verbindungsmitteln. Die Steine besitzen ein präzises, 5 cm tiefes Nut-und-Feder-Profil; benachbarte Lagen sind um jeweils 50 mm versetzt und verzahnen sich beim Aufeinandersetzen formschlüssig. Der Wandaufbau erfolgt zwingend im Läuferverband mit 20 cm Versatz.

Innerhalb eines Steins werden die Bohlenabschnitte werkseitig leim- und metallfrei mit LignoLoc-Holznägeln aus Kunstharzpressholz zusammengehalten (4,7 mm Durchmesser, 90 mm Länge). Auf der Baustelle werden die Steine dann mechanisch vernagelt oder verschraubt.

Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-9.1-909 des Deutschen Instituts für Bautechnik wurde im Januar 2023 erteilt und gilt bis zum 9. Januar 2028. Sie definiert einen klaren Anwendungsbereich:

  • Tragende und aussteifende Wandelemente in Wohngebäuden
  • Maximal zwei Vollgeschosse plus Dachgeschoss
  • Lichte Wandhöhe maximal 3,0 m pro Geschoss
  • Holz mindestens Festigkeitsklasse C24 (Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Douglasie)
  • Holzfeuchte bei Herstellung 10–15 %, Differenz zum Einbau max. 8 %

Mehrgeschossiger Mietwohnungsbau mit vier oder fünf Etagen liegt außerhalb des zugelassenen Anwendungsbereichs und würde aktuell eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) mit zusätzlichem Prüf- und Kostenaufwand erfordern.

Wie wird eine NiTO-Wand statisch bemessen?

Die Berechnung ist hochgradig nichtlinear, da ein nachgiebig verbundenes Mehrlagensystem vorliegt. Als tragender Querschnitt gelten laut Zulassung nur die vertikal verlaufenden Lagen mit je 50 mm Dicke; Nachgiebigkeit der Verbindungen und Rollschubverformung müssen explizit berücksichtigt werden.

Zur Vereinfachung gibt es das NiTO-Bemessungstool für Statiker, eine Excel-Anwendung der BE Ingenieure GmbH (Karlsruhe), seit 27. März 2026 in Version 2.0 verfügbar. Es berechnet Lastkombinationen nach DIN EN 1990, den Drucktragfähigkeitsnachweis (rechnerisch bis 323 kN/m Wandlänge), den Biegeknicknachweis sowie die Schubtragfähigkeit für Wind- und Erdbebenlasten – ersetzt aber nicht die objektbezogene Gründungs- und Tragwerksplanung durch den Statiker.

Bei Windkräften rechtwinklig zur Wand können bei geringer vertikaler Auflast Zugspannungen entstehen, die das System über die horizontalen Fugen hinweg nicht aufnehmen kann. In solchen Fällen sind zusätzliche vertikale Bauteile (z. B. Holzlatten) projektbezogen zu prüfen und einzuplanen.

Welche U-Werte sind mit NiTO erreichbar – und was bedeutet „QNG-ready“ genau?

Der NiTO-Stein ist das tragende Skelett, nicht die fertige Außenwand. In Kombination mit einer diffusionsoffenen Holzfaserdämmung (z. B. GUTEX Thermowall-L, 160–220 mm zusätzlich zum 150 mm starken NiTO-Kern) werden U-Werte im Bereich von 0,14 bis 0,18 W/(m²K) erreicht – Passivhaus-Niveau ist damit darstellbar.

„QNG-ready“ ist eine rein produktbezogene Einstufung des Sentinel Holding Instituts: Sie bestätigt, dass das NiTO-System die QNG-Anforderungen zur Schadstoffvermeidung erfüllt, belegt durch einen unabhängigen Prüfbericht des eco-Instituts Köln (28. Mai 2026).

Ein Gebäude wird dadurch aber nicht automatisch QNG-zertifiziert – die staatliche Zertifizierung betrachtet immer das Gesamtgebäude (Ökobilanz, Primärenergiebedarf, Gebäudetechnik, Rückbauplan) und ist stets ein projektbezogen zu prüfendes Verfahren mit lizenziertem Auditor.

Wie verhält sich Massivholz im Brandfall?

Anders als Stahl, der bei hohen Temperaturen schlagartig an Tragfähigkeit verliert, verkohlt Holz an der Oberfläche – die Kohleschicht wirkt isolierend und bremst die Abbrandgeschwindigkeit. Für das dreilagige NiTO-System (15 cm Wandstärke) hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unter Leitung von Prof. Blaß die Feuerwiderstandsklasse R30 rechnerisch nachgewiesen.

Die Wand behält im Brandfall mindestens 30 Minuten ihre tragende Funktion. Der finale Brandschutznachweis bleibt projektbezogen zu führen und hängt von Gebäudeklasse, Deckenanschlüssen und Wandbekleidung ab.

Ist NiTO BIM-fähig, und wie läuft die Montage praktisch ab?

Die feste Steingeometrie eignet sich grundsätzlich gut für Building Information Modeling. Allerdings gibt es derzeit keine öffentlich frei zugängliche, native Revit- oder Archicad-Bibliothek des Herstellers; ein vollwertiges BIM-Modell muss das Planungsbüro projektbezogen selbst erstellen.

Praktisch: Da ein Vollstein nur ca. 10 kg wiegt, lässt sich das gesamte Material auf Standard-Europaletten anliefern – ohne Spezialkräne oder Schwertransport-Straßensperrungen. Laut Herstellerangaben kostet ein Quadratmeter NiTO-Wand in Eigenleistung rund 160 Euro; bis zu 15 % der Kreditsumme können Banken als Muskelhypothek anrechnen.

Eigenleistung ist jedoch nur unter fachlicher Begleitung sinnvoll – die DIBt-Zulassung fordert explizit eine Übereinstimmungserklärung der ausführenden Firma, und Rand- sowie Deckenanschlüsse sind sicherheitsrelevant.

Welche Rolle übernimmt GreenBuild360 als Integrator dieses Systems?

GreenBuild360 stellt den NiTO-Stein nicht selbst her. Die Kernkompetenz liegt in der ganzheitlichen Fachkoordination: Abstimmung von Architekturentwurf, Statik über das Bemessungstool, bauphysikalischen Details, Fundament, Dach, Fenstern und der gesamten technischen Gebäudeausrüstung.

Von Luft-Wasser-Wärmepumpe über Photovoltaik und Speicher bis zum Smart-Home-System. Im Innenausbau kommen wohngesunde Ergänzungen wie Lehm- und Kalkputze zum Einsatz, die gut mit der diffusionsoffenen Vollholzwand harmonieren.

Weil NiTO rein mechanisch verbunden ist, ist das System rückbau- und wiederverwendungsorientiert planbar. GreenBuild360 dokumentiert diese Kreislauffähigkeit digital und plant einen Materialpass, der pro Bauteil festhält, wo und wie es verbaut und wie es zerstörungsfrei demontierbar ist.

Wo liegen die harten Grenzen des NiTO-Systems?

Fünf Punkte, die vor Projektstart offen anzusprechen sind:

  • Keine nachträglichen Durchbrüche: Nur Kabeldurchführungen bis 50 mm sind gestattet – Elektro-/Sanitärplanung muss vor dem Wandaufbau final feststehen.
  • Rückbaubarkeit ist kein Selbstläufer: Vollflächig verklebte Platten oder PUR-Schaum-fixierte Dämmstoffe zerstören den Kreislauf-Vorteil.
  • Höherer Aufwand bei Sonderwünschen: Raumhöhen über 3,0 m oder mehr als zwei Vollgeschosse erfordern Einzelnachweise.
  • Witterungsschutz während der Bauphase: Unbehandeltes Vollholz muss vor stehender Nässe geschützt werden.
  • Kostenrealität: Die 160 €/m² beziehen sich nur auf das Steinmaterial in Eigenleistung – Erdarbeiten, Gründung, Dach, Fenster, Haustechnik, Dämmung und Fassade kommen hinzu.

Fazit: Für wen eignet sich das NiTO-System?

Der NiTO Holzstein ist kein Allheilmittel, sondern ein hochpräzises, bauaufsichtlich zugelassenes Werkzeug für zirkuläres Bauen innerhalb klar definierter Grenzen. Seine Stärken entfaltet das System, wenn ein kompetenter Integrator wie GreenBuild360 Architektur, Statik, TGA und schadstoffgeprüfte Ausbaumaterialien von Anfang an zusammenführt.

Diese Folge wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Alle Angaben zu Zulassung, Statik, Brandschutz und Förderfähigkeit sind stets projektbezogen zu prüfen.

Quellen: DIBt-Zulassung Z-9.1-909 · Sentinel Holding Institut · eco-Institut Köln, Prüfbericht Nr. 60880-A001-L · BE Ingenieure GmbH, NiTO-Bemessungstool V2.0

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